Fenster 11

von 2020 | Südwand
„Licht zeigt Leid.“

Das elfte Fenster wurde im Jahr 2020 als letztes aller 22 Fenster in die Kirche eingebaut und beendete die über 20 Jahre andauernden Anstrengungen zur Realisation des Fensterzyklus. Wie bereits erwähnt, bildet es mit den Fenstern 9 und 10 ein Triptychon, das auf die Trinität hinweist – also auf den Geist, den Vater und den Sohn der Dreifaltigkeit.

In diesem Fenster zeigt sich die zuvor türkisfarbene Kreuzstruktur, in Anlehnung an das Blut Christi, nun in Rot. Jedes Rasterquadrat dieser roten Struktur ist mit 2×2 gespiegelten Ornamenten versehen. Manche werden an die Arche Noah erinnert, die ein Paar von jeder Art aufnahm. Zwischen der Kreuzstruktur findet sich die bereits bekannte landkartenartige Fläche in Gelb, Braun, Blau und Grün.

Besondere Aufmerksamkeit erregt der blaue Block am unteren Rand des Fensters. Er repräsentiert den Kalvarienberg, den Hügel Golgatha in Jerusalem, auf dem Jesus gekreuzigt wurde. Er tritt wie dreidimensional aus der Fensterfläche in den Kirchenraum und ist dadurch besonders präsent.

Der Künstler bezeichnete ihn auch als „Golgotha-Tiefpunkt“, der nicht fehlen dürfe bei all der Gottherrlichkeit und Schöpfungsfröhlichkeit der Fenster der Südseite. Auffallend ist, dass Karl-Martin Hartmann hier den weißen Außenrahmen unterbricht, so dass der Block fest mit der Kirche als Trägerin manchen Dunkels verbunden zu sein scheint.

Bei den zahllosen hellen Elementen im massiven Dunkelblau des Kalvarienbergs denkt Karl-Martin Hartmann eigenen Angaben zufolge auch an die Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer vor Lampedusa, an die nach Luft, Licht und Leben ringenden Menschen, die sich, wie in Ketten aneinander gebunden, gegen den Tod aufbäumen.