"Das Kind: In der Wurzel liegt die Kraft"

Zur Berühmtheit St. Nicolais und des Bildhauers Henrik Douverman trägt der Sieben-Schmerzen-Altar sehr wesentlich bei. 1518 von der Bruderschaft Unserer Lieben Frau beauftragt, schuf Douverman in rund drei bis vier Jahren dieses 1522 vom Kölner Weihbischof eingeweihte Meisterwerk der Schnitzkunst. Dabei gruppierte er die sieben Leidenserfahrungen Marias um ein älteres, in Kalkar sehr verehrtes Vesperbild mit der trauernden Gottesmutter Maria und Jesus nach der Kreuzigung auf ihrem Schoß. Statt dieses alten Gnadenbildes befindet sich heute eine Pieta von Ferdinand Langenberg aus dem Jahr 1900 in der zentralen Nische unten in der Mitte.

Douverman beginnt die Leidensdarstellungen rechts unten mit der Darbringung im Tempel, links unten folgt die Flucht nach Ägypten, darüber die Begegnung des Zwölfjährigen Jesu mit den Schriftgelehrten im Tempel. Darüber wiederum schließt sich die Kreuztragung an, dann in der Mitte die besonders detaillierte Kreuzigungsdarstellung, weiter rechts die Kreuzabnahme und darunter, den Kreis schließend, die Grablegung Christi.

Besonders auffallend ist die Wurzel Jesse, die, von der Predella ausgehend, den ganzen Altar umfasst und durch die Muttergottes hoch oben gekrönt wird. In der Wurzel entdeckt man den schlafenden Jesse zwischen zwei Propheten, David mit der Harfe und Salomon mit dem Zepter. In den Ästen sieht man die Vorfahren Jesu.

Henrik Douverman hat den Sieben-Schmerzen-Altar ohne Flügel konzipiert. Sie wurden rund zwanzig Jahre später, um 1545, hinzugefügt, und blieben weitere 90 Jahre unbemalt. 1636 bemalte Hendrik ’s Grotens, ein Kalkarer Maler , sie mit den gleichen Motiven der Sieben Schmerzen Mariens.