Fenster 9
Das neunte Fenster im Gesamtzyklus wurde im Jahr 2001 eingebaut. Es wurde vom Förderverein St. Nicolai und historischen Kalkarer Bruderschaften und Gilden gespendet. Fast zwei Jahrzehnte lang hat es die Kirchenbesucher auf die Fröhlichkeit der noch fehlenden vier Fenster 10 bis 13 des südlichen Seitenschiffs eingestimmt.
Mit diesem neunten Fenster beginnt der Schöpfungsbogen mit floralen Formen und organischen Anklängen, den der Künstler in „heiterer Helligkeit“, wie er es ausdrückte, über die Fenster 9 bis 13 spannt. Die Fenster 9 bis 11 können aufgrund des gemeinsamen Hintergrunds und der auffälligen Kreuzstruktur auch als „Triptychon“ betrachtet werden, das sich auf die Trinität hin deuten lässt.
Die ersten Zeilen der Bibel lauten: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht.“ In dieser Schöpfungsgeschichte trennt Gott am ersten Tag die Finsternis vom Licht und erschafft Erde, Tag und Nacht. Die darauffolgenden Tage sind geprägt von der Erschaffung des Himmels und der Wolken, des Landes, des Meeres und der Pflanzen, der Sonne, des Mondes und der Sterne, der Fische und Vögel und schließlich aller Arten von Tieren und Menschen. Der siebte Tag ist ein Ruhetag.
Dieses erste Schöpfungswort „Es werde Licht“ bringt also paradiesische Lebensfreude und blühende Lebensfülle auf die Erde. Dafür stehen auch die an Primeln erinnernden Blüten in den beiden Beeten, die sich fast über die ganze Fensterhöhe erstrecken. Sowohl die blauen, vierblättrige Blüten oben, als auch die roten, fünfblättrigen Blüten unten haben einen Blütenstempel, der an ein Stützbogenkreuz erinnert. Die Bezeichnung „Primula“ bedeutet die „Die Erste“ und verweist darauf, dass es sich bei den Primeln um Frühblüher handelt, von denen einige Arten bereits im Januar blühen. Sie sind nicht nur fast überall auf der Welt zu finden, sondern läuten meist auch den Frühling und damit die auflebende Natur ein.
Als erstes Trinitätsfenster repräsentiert dieses Fenster den Heiligen Geist. Gottes Geist zeigt die Schöpfungsvielfalt blühenden Lebens auf der gottgewollten Erde.
Das Kreuzformenraster, hier in Türkis als Farbe göttlicher Tiefe und der Unendlichkeit, und der landkartenförmige, kleinteilige grün-braun-gelb-blaue Erdoberflächenhintergrund finden sich auch im nächsten und übernächsten Fenster wieder.