Fenster 17

von 2013 | Nordwand
„Unter dem gleichen Himmel“

Das siebzehnte Fenster im Zyklus stammt aus dem Jahr 2013. Es befindet sich in der Nordmauer der Kirche, wo kein Sonnenlicht hindurchtreten kann. Die Fenster an dieser Seite der Kirche beschäftigen sich mit dem Abend des eigenen Lebens und dem Ausblick in die unendliche Ewigkeit. Durch die dunklen Blautöne in den Fenstern verstärkt Karl-Martin Hartmann das natürliche Dunkel dieses Teils des Kirchenraums, die Lichtsymmetrie der Kirche wird also noch zusätzlich verrückt.

Die Farbgebung des Fensters erinnert die blaue Stunde, der blaue Hintergrund mit den gelben Punkten ist wie ein Sternenhimmel in einer klaren Nacht.

In der Mitte muss man sich auf einem grünen Pfad seinen Weg zwischen dämonenhaften Gestalten suchen, die an Schnitzarbeiten im Chorgestühl von St. Nicolai denken lassen.

Die rosaviolettfarbene Fläche darüber entstand nach einer Aufnahme des Hubble Space-Teleskops vom Galaxiehaufen Abell 2218. Dessen Schwerefeld ruft einen Gravitationslinseneffekt hervor, der einen Hinweis auf Dunkle Materie liefert. Karl-Martin Hartmann verwendet hier astrophysikalische Effekte als „Schöpfungsbeschreibung mit den Mitteln der heutigen Zeit“, wie er sagt.

Auffallend ist die weiße Pfeillinie, die sich vom Fensteransatz unten bis oben ins Maßwerk zu ziehen scheint, so als wolle sie den Blick aus der persönlichen Welt befreiend in die Weite des Weltraums lenken und sagen: Der Weg ist noch nicht zu Ende.

Der Naturwissenschaftler Hartmann bringt unser kleines, bedrängtes Erdendasein ins Gespräch mit der Weite ferner Welten und Milliarden Lichtjahre entfernter Sterne und Trabanten. Gottes Welt ist weiter als wir denken und es gehört zur Größe des Menschen, darin zu wohnen und ewig bleiben zu dürfen.